RSS Feeds
Beiträge
Kommentare

Geld zu verdienen ist doch schön. Finde ich. Und wahrscheinlich auch (fast) alle Mitbürger. Und ebenfalls (fast) alle halten folgende Grundsätze für sinnvoll:

  • Mehr Geld zu verdienen ist besser als weniger zu verdienen.
  • Es ist besser, wenn die Löhne transparent sind.
  • Zu beurteilen, welche Entlöhnung richtig ist, hat der Lohngeber.

Alle Grundsätze werden bei den Managerlöhnen eingehalten, dennoch scheint die Empörung ob dieser Millionensummen nicht abzubrechen. Die Front der Moralisten, allen voran die Medien, die nur zu gerne ihre Vorstellungen von Recht und Unrecht durchsetzen möchten, bläst zum Sturmangriff. Diese Grundsätze seien gar nicht relevant, es gehe vielmehr um die ethische Rechtfertigung. Und eine sogenannte “Studie” des Kirchenbundes kam zum Schluss, dass aus ethischen Überlegungen kein Lohn die Grenze von 1.6 Mio. Franken überschreiten soll. Mal abgesehen von der (un)wissenschaftlichen Beurteilung dieses Pamphlets, stellt sich doch die Frage, warum Kirchenvertreter sich darum sorgen. Hat Gott keine anderen Sorgen? Sind Hungersnöte, Kriege und Verfolgungen nur Peanuts neben dem Phänomen von zweistelligen Millionensalären? Und wird die Kirche auch künftig Ereignisse in der freien Wirtschaft nach “ethischen Überlegungen” beurteilen?

Wozu denn Ethik? Wir haben doch den Markt. Und das Volk. Denn meistens zeigt sich, dass die breite Masse weisere Urteile fällt als eine kleine Elite. (Da wollte uns die Kirche doch schon weismachen, dass eine moralische Verpflichtung zur Ablehnung des Asyl- und Ausländergesetzes bestünde.)

Lassen wir die Kirche doch im Dorf. Dort richtet sie am wenigsten Schaden an.

4 Kommentare zu “Lohn, Neid und Gottes Wort”

  1. am 16. May 2007 um 19:47 Silvan Wyss

    Wozu brauchen wir Ethik? Brauchen wir das überhaupt?
    Die Managerlöhne sind legal, dass heisst wenn Herr Vasella so viel verdient, hat er ganz legal diesen Lohn erreicht. Doch ist das ethisch? Die Kirche kämpft gegen diese Ungerechtigkeit. Warum ist das ungerecht? Auf dieser Welt gibt es Millionen von Menschen, denen mangelt es an Elementaren, wie Nahrung und Wasser, medizinische Betreuen, Schulbildung und Perspetkiven. Sie verhungern, verdursten, und werden in die Armut gedrängt.
    Auf der anderen Seite bekommen andere Millionen Franken, auf dass es vielen Millionen Menschen mangelt.
    Bei vielen herrscht keine faire Wirtschaft und keine Demokratie. Und warum sollten wir die Kirche provokativ im Dorf lassen? Dort kann sie ja nicht mehr helfen, den Leuten denen es schlecht geht. Oder wird der Kampf gegen Krieg und Hungersnot als Schaden bezeichnet. (Denn im Dorf richtet die Kirche ja wenigstens keinen Schaden an.)
    Die Saläre gewisser Konzernchefe sind legal, aber unethisch. Während es zu vielen Entlassungen und Lohnkürzungen kommt, hat man paradoxerweise Millionen übrig für einige wenige?
    Ein Manager arbeitet meist einiges mehr, und soll auch mehr Lohn bekommen, zum Beispiel bis zehnmal mehr. Aber nicht hundert oder zweihundert mal mehr. Das ist unrealistisch, unökonomisch, unfair und unethisch.

  2. am 13. Jun 2007 um 13:31 Thomas Lanz

    Interessant wie man als Mitglied der angeblichen Partei des Mittelstandes diese Saläre verteidigen kann. Der Artikel ist zudem nicht sehr durchdacht, da in den SVP-Reihen immer mehr dieser sogennanten Moralisten zu finden sind, allen voran Herr Minder mit seiner “Abzocker-Initiative”.

  3. am 22. Jun 2007 um 15:35 Silvan Wyss

    Ich möchte noch ein Punkt ansprechen, der mir wichtig ist:
    “Zu beurteilen, welche Entlöhnung richtig ist, hat der Lohngeber.”
    Ich werde beweisen, dass dies einseitig ist und nicht den Regeln des Marktmechanismus entspricht.
    Der Arbeitgeber kann sagen, ich gebe dir Arbeit für so und so viel Lohn. Weil der Abreitgeber das Angebot macht, kann er auch die Höhe des Lohns bestimmen?!
    Und was ist mit dem Arbeitnehmer? Ganz logisch, er kann doch auch sagen, ich biete dir meine Arbeit an, ich verlange dafür so und soviel Lohn.
    Hier kommt der wichtigste Marktmechanismus zum Zug, man muss miteinander verhandeln und sich einigen. Zu bestimmen, wie hoch der Lohn ist, hat weder der Arbeitnehmer, noch der Abreitgeber, sondern Angebot und Nachfrage.
    Nicht berücksichtigt sind damit Mindestlohn oder die aktuelle Situation von Angebot und Nachfrage.

  4. am 05. Aug 2007 um 19:06 Marc Stöcklin

    Interessante Überlegung, aber leider nicht ganz realistisch: Der Arbeitgeber ist ja schliesslich am längeren Hebel und kann darum letztendlich auch bestimmen, wer wieviel Lohn erhält. Da es für einen begehrten Posten meist mehrere Anwärter gibt, hat der Einzelne auch nicht allzu hohe Erwartungsmöglichkeiten bei der Verhandlung um sein Gehalt. Zudem ist der Einfluss des Marktmechanismus’ bei Spitzenmanagern ja gegeben, denn diese besitzen für gewöhnlich grosse Mengen an Aktien, manchmal gar die Mehrheit davon, sodass ihr Lohn folglich auch vom Erfolg der Firma abhängt.

    Zur sog. “Trybol-Initiative” von Thomas Minder: Die SVP lehnt diese aus folgenden Gründen ab:
    -Sie greift zu stark in die unternehmerische Freiheit einer AG ein. Es ist nicht Aufgabe des Staates, den Unternehmen Vorschriften über ihre Lohngestaltung zu machen. Das ist Angelegenheit der Aktionäre, denn schliesslich ist es ihr Geld, das in der Firma steckt. Heute haben die Aktionäre schon das Recht, korrigierend eizugreifen und z.B. den Verwaltungsrat abzuberufen. Zudem
    sind solche Regelungen unsinnig, da über 90% der Unternehmen in der Schweiz KMU’s mit einem bis neun Angestellten sind, für die solche Supersaläre eh völlig undenkbar sind.

    - Die brauchbaren Punkte der Initiative werden in der laufenden Revision des Aktienrechts von der SVP eingebracht , welche darauf abzielen, den Aktionär als Eigentümer zu stärken.

Trackback URI | Kommentare RSS

Kommentar schreiben